OCI-Punchout erklärt: Lieferantenkataloge an SAP anbinden

Was die OCI-Schnittstelle ist, wie der Punchout-Roundtrip mit SAP abläuft, welche Felder zählen und welche Fehler in der Praxis häufig auftreten.

Jens Bohl

Jens Bohl CEO & Founder

Einkauf

OCI-Punchout erklärt: Lieferantenkataloge an SAP anbinden

Was ist OCI?

OCI steht für Open Catalog Interface. Es ist die von SAP definierte Schnittstelle, über die ein Besteller aus dem SAP-System in einen externen Katalog springt, dort einen Warenkorb füllt und die Positionen zurück in SAP übernimmt. Dieser Hin- und Rückweg heißt Punchout oder Roundtrip.

Der Katalog liegt dabei nicht in SAP. Er läuft beim Lieferanten, bei einem Marktplatz oder als eigenes Katalogsystem im Unternehmen. SAP kennt nur die Adresse des Katalogs und die Parameter für den Aufruf. Sortiment, Preise, Bilder und Suche bleiben Sache des Katalogs.

Die OCI-Schnittstelle regelt genau zwei Dinge: wie SAP den Katalog aufruft und in welchem Format der Warenkorb zurückkommt. Bestellung, Auftragsbestätigung und Rechnung gehören nicht dazu. Dafür nutzt SAP andere Wege, etwa IDoc, EDI oder E-Mail.

Ablauf des Roundtrips Schritt für Schritt

Ein OCI-Punchout besteht aus vier Schritten. Wichtig für das Verständnis: Die gesamte Übergabe läuft über den Browser des Bestellers. SAP und Katalog sprechen im Standardablauf nicht direkt miteinander.

  • 1. Absprung aus SAP

    Der Besteller wählt in der Bestellanforderung oder im Einkaufswagen einen Katalog aus. SAP öffnet die hinterlegte Katalog-URL und gibt die im Customizing gepflegten Parameter mit: Zugangsdaten, feste Werte wie Sprache oder Werk und die Rücksprungadresse HOOK_URL.

  • 2. Einkauf im Katalog

    Der Katalog meldet den Besteller anhand der Parameter an und merkt sich die Rücksprungadresse in der Sitzung. Der Besteller sucht, vergleicht und legt Artikel in den Warenkorb, wie in einem Onlineshop.

  • 3. Rückgabe des Warenkorbs

    Beim Abschluss erzeugt der Katalog ein HTML-Formular. Jede Position steht darin als Satz von Feldern mit laufendem Index, zum Beispiel NEW_ITEM-DESCRIPTION[1]. Der Browser sendet das Formular an die HOOK_URL.

  • 4. Bestellanforderung in SAP

    SAP liest die Felder und legt daraus Positionen an. Kontierung, Freigabe und die spätere Bestellung laufen danach im gewohnten SAP-Prozess.

Wo der Absprung sitzt, hängt vom System ab. In SAP SRM ist es der Einkaufswagen, in SAP ERP und SAP S/4HANA die Bestellanforderung. Das Prinzip ist in allen Fällen dasselbe.

OCI vs. cXML-Punchout

Neben OCI gibt es einen zweiten verbreiteten Standard für den Punchout-Katalog: cXML. Beide lösen dieselbe Aufgabe, unterscheiden sich aber im Aufbau.

  • Herkunft

    OCI stammt von SAP und ist in SAP-Systemen der übliche Weg. cXML stammt aus dem Umfeld von Ariba und wird von vielen Einkaufssystemen außerhalb von SAP verwendet.

  • Aufruf

    OCI ruft den Katalog über eine URL mit Parametern auf. cXML schickt zuerst eine XML-Nachricht von Server zu Server (PunchOutSetupRequest) und erhält eine Startadresse für den Browser zurück.

  • Rückgabe

    OCI liefert einfache Formularfelder. cXML liefert ein XML-Dokument (PunchOutOrderMessage), das ebenfalls über den Browser zurückgeht.

  • Anmeldung

    Bei OCI stehen die Zugangsdaten in den Aufrufparametern und laufen über den Browser. Bei cXML werden sie in der Server-Nachricht übertragen und erreichen den Browser nicht.

  • Umfang

    OCI beschreibt nur den Katalogaufruf und den Warenkorb. cXML definiert zusätzlich Dokumente wie Bestellung und Rechnung.

Für die Praxis heißt das: Wer aus SAP heraus bestellt, kommt mit OCI am schnellsten ans Ziel. Lieferanten mit vielen Kunden unterstützen meist beide Standards. Fragen Sie das früh ab, denn nicht jeder Lieferantenshop bietet beide Varianten an.

Wichtige Felder und Mapping

Die Rückgabe besteht aus Feldern mit dem Präfix NEW_ITEM-. Welche davon Pflicht sind, hängt vom SAP-System und vom Prozess ab. Die folgenden Felder kommen in fast jedem Projekt vor.

  • HOOK_URL

    Rücksprungadresse, die SAP beim Aufruf mitgibt. Der Katalog muss sie unverändert als Ziel des Formulars verwenden.

  • NEW_ITEM-DESCRIPTION

    Kurztext der Position. Das Feld ist auf 40 Zeichen begrenzt. Längere Beschreibungen gehören in NEW_ITEM-LONGTEXT.

  • NEW_ITEM-QUANTITY und NEW_ITEM-UNIT

    Menge und Mengeneinheit. Die Einheit wird als ISO-Code erwartet, zum Beispiel PCE für Stück, und muss in SAP einer internen Einheit zugeordnet sein.

  • NEW_ITEM-PRICE, -CURRENCY und -PRICEUNIT

    Preis, Währung als ISO-Code und Preiseinheit. Die Preiseinheit gibt an, auf wie viele Einheiten sich der Preis bezieht, etwa 100 bei Schrauben.

  • NEW_ITEM-VENDOR und NEW_ITEM-VENDORMAT

    VENDOR enthält die Lieferantennummer aus SAP, VENDORMAT die Artikelnummer des Lieferanten. Ohne Artikelnummer kann der Lieferant die Bestellung später nicht zuordnen.

  • NEW_ITEM-MATGROUP

    Warengruppe. Sie steuert in SAP oft Kontierung und Freigabe und muss dort existieren.

  • NEW_ITEM-MATNR

    SAP-Materialnummer, falls der Artikel als Material geführt wird. Bei reinen Katalogartikeln bleibt das Feld leer.

  • NEW_ITEM-CONTRACT und -CONTRACT_ITEM

    Verweis auf Kontrakt und Kontraktposition in SAP. Damit bezieht sich die Position auf den verhandelten Rahmenvertrag.

  • NEW_ITEM-LEADTIME

    Lieferzeit in Tagen. SAP berechnet daraus das Lieferdatum.

  • NEW_ITEM-EXT_PRODUCT_ID

    Eindeutige Kennung des Artikels im Katalog. Sie wird gebraucht, wenn SAP eine Position später im Katalog prüfen oder erneut anzeigen soll.

Mapping: Wo die Arbeit liegt

Die Technik des Roundtrips ist schnell eingerichtet. Der Aufwand steckt im Mapping. Ein Lieferant klassifiziert seine Artikel meist nach eCl@ss, UNSPSC oder einer eigenen Struktur. SAP erwartet die Warengruppen des Unternehmens. Dazwischen braucht es eine Zuordnungstabelle, entweder im Katalog oder in SAP.

Dasselbe gilt für Mengeneinheiten, Lieferantennummern und Kontrakte. Legen Sie vor dem ersten Test fest, welches System welche Angabe liefert und wer die Zuordnung pflegt.

Typische Fehler in der Praxis

  • Unbekannte Mengeneinheit: Der Katalog liefert eine Einheit, die SAP nicht kennt oder die keinem ISO-Code zugeordnet ist. Die Position wird abgelehnt oder ohne Einheit übernommen.
  • Abgeschnittene Texte: Der Kurztext ist länger als 40 Zeichen. In SAP fehlt dann genau der Teil, der den Artikel unterscheidet, etwa Größe oder Ausführung.
  • Falsches Preisformat: Tausendertrennzeichen, Komma statt Punkt oder eine fehlende Preiseinheit führen zu falschen Beträgen.
  • Warengruppe fehlt: Die gelieferte Warengruppe existiert in SAP nicht. Der Besteller muss sie von Hand nachtragen, und die Kontierung stimmt nicht mehr automatisch.
  • Verlorene Sitzung: Läuft der Katalog in einem Frame innerhalb der SAP-Oberfläche, blockieren Browser unter Umständen dessen Cookies. Der Katalog verliert die Sitzung und damit die Rücksprungadresse.
  • Zeichensatz: SAP und Katalog verwenden unterschiedliche Kodierungen. Umlaute und Sonderzeichen kommen verstümmelt an.
  • Veraltete Preise: Eine Bestellanforderung wird Wochen später aus einer Vorlage kopiert. Der Preis stammt noch vom ersten Roundtrip. Dagegen hilft die Prüffunktion von OCI, mit der SAP eine Position im Katalog erneut abfragt, sofern der Katalog sie unterstützt.

Die meisten dieser Fehler fallen erst mit echten Daten auf. Testen Sie deshalb nicht nur mit einem Artikel, sondern mit einem Warenkorb aus mehreren Lieferanten, Einheiten und Warengruppen.

Wann ein eigener Katalog statt Marktplatz sinnvoll ist

Für den Anfang reicht oft der direkte Punchout in den Shop eines Lieferanten oder in einen Marktplatz. Das ist schnell eingerichtet, und der Lieferant pflegt sein Sortiment selbst. Mit jedem weiteren Lieferanten wächst aber die Zahl der Absprünge. Der Besteller muss wissen, in welchem Shop er suchen soll, und ein Preisvergleich über Lieferanten hinweg ist nicht möglich.

Ein eigenes Katalogsystem zwischen SAP und den Lieferanten lohnt sich, wenn einer oder mehrere dieser Punkte zutreffen:

  • Sie arbeiten mit vielen Lieferanten und wollen eine Suche über alle Sortimente.
  • Verhandelte Preise und SAP-Kontrakte sollen im Katalog sichtbar und verbindlich sein.
  • Sortimente sollen je Standort, Abteilung oder Rolle eingeschränkt werden.
  • Warengruppen, Einheiten und Lieferantennummern sollen an einer Stelle gemappt werden.
  • Bestellungen ohne Katalogartikel brauchen ebenfalls einen geordneten Weg.

Ein eigener Katalog schließt Punchout nicht aus. Er kann statische Lieferantenkataloge und Punchout-Shops unter einer Oberfläche bündeln. SAP sieht dann nur einen einzigen OCI-Katalog. So arbeitet auch Ovenca Procure, unsere Software für den indirekten Einkauf.

Beispiel LANXESS

Der Spezialchemiekonzern LANXESS suchte 2014 eine Lösung für den Katalogeinkauf, die mit den SAP-Kontrakten und Materialnummern des Konzerns zusammenarbeitet. Wir haben dafür ein Katalogsystem entwickelt, das 2015 weltweit in Betrieb ging. Heute sind dort über 5 Millionen Artikel durchsuchbar.

Kontrakte und Materialnummern kommen aus SAP, Bestellungen gehen dorthin zurück. Angebunden ist heute SAP S/4HANA. Für Bedarfe, die sich nicht als Katalogartikel abbilden lassen, gibt es Formulare.

LANXESS wechselte zwischenzeitlich zu SAP Ariba und kam 2025 zurück. Wir haben das System erneuert und die Kataloge aus Ariba übernommen. Die Einzelheiten stehen in der Fallstudie zum LANXESS-Katalogsystem. Wie wir Kataloge und andere Systeme an SAP anbinden, beschreiben wir unter Integration und KI.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen OCI-Katalog und Punchout-Katalog?

Punchout bezeichnet das Verfahren: Absprung in einen externen Katalog und Rückgabe des Warenkorbs. OCI ist der SAP-Standard dafür. Ein OCI-Katalog ist also ein Punchout-Katalog, der die OCI-Schnittstelle spricht.

Funktioniert OCI auch mit SAP S/4HANA?

Ja. OCI wird in SAP SRM, SAP ERP und SAP S/4HANA verwendet. Der Katalog wird im Customizing als Webservice mit URL und Aufrufparametern hinterlegt.

Wird über OCI auch die Bestellung an den Lieferanten übertragen?

Nein. OCI überträgt nur den Warenkorb vom Katalog an SAP. Die Bestellung entsteht in SAP und geht auf einem eigenen Weg an den Lieferanten.

Welche OCI-Version brauche ich?

Verbreitet sind die Versionen 4.0 und 5.0. Entscheidend ist, welche Felder und Funktionen Ihr SAP-System und der Katalog gemeinsam unterstützen. Klären Sie das vor dem ersten Test mit beiden Seiten.

Wie lange dauert die Anbindung eines Lieferantenkatalogs?

Das hängt weniger von der Schnittstelle ab als vom Mapping. Sind Warengruppen, Einheiten und Lieferantennummern geklärt, ist ein einzelner Katalog schnell angebunden. Ungeklärte Stammdaten kosten die meiste Zeit.

Nächster Schritt

Wenn Sie Lieferantenkataloge an SAP anbinden oder mehrere Punchout-Shops unter einer Oberfläche zusammenführen wollen, sehen Sie sich Ovenca Procure an. Oder sprechen Sie mit uns über Ihre Ausgangslage.

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